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Modding alter Konsolen in den 90ern
Die 90er waren ein Jahrzehnt, in dem Bastler und Tüftler ihre Konsolen selten so nutzten, wie die Hersteller es vorgesehen hatten. Wer damals löten konnte oder jemanden kannte, der es tat, hatte schnell eine „aufgemotzte“ Konsole zuhause.
Besonders berühmt wurden die Modchips der ersten PlayStation. Eingelötet auf die Hauptplatine hoben sie Regionalsperren auf und erlaubten es, Import-Spiele zu starten – oder auch gebrannte CDs. Für viele war das der einzige Weg, an japanische Rollenspiele oder Arcade-Umsetzungen zu kommen, die nie offiziell in Europa erschienen.

(Foto: Circuit-Board)
Aber nicht nur Sony-Konsolen wurden verändert. Auch bei NES und SNES war Modding ein Thema: Der berüchtigte CIC-Lockout-Chip sorgte dafür, dass nur lizenzierte Module liefen. Mit ein paar Kniffen – vom simplen „Pin-Cut“ bis zu aufwendigen Eigenbau-Schaltungen – ließen sich aber auch Fremdmodule oder Importe nutzen.
Daneben gab es eine ganze Szene, die sich mit Video- und Signalmods beschäftigte. Der Standard-Composite-Ausgang vieler Geräte war für Röhrenfernseher zwar ausreichend, aber wer einmal ein Mega Drive oder SNES mit einem selbstgelöteten RGB- oder SCART-Kabel gesehen hatte, wollte nicht mehr zurück: gestochen scharfe Bilder, die die Hersteller so nie vorgesehen hatten.
Manche gingen noch weiter und entwickelten Adapterlösungen, die Originalchips aus lizenzierten Modulen anzapften, um unlizenzierte Spiele zum Laufen zu bringen. Solche Dongle-Varianten waren fast schon kleine Kunstwerke des Reverse Engineering.
Natürlich bewegte sich all das in einer rechtlichen Grauzone. Am eigenen Gerät zu basteln, war unproblematisch – den Verkauf von Modchips hingegen nahmen die Hersteller sehr ernst. Vor allem Sony und Nintendo zogen mehrfach vor Gericht und so manches kleine Elektronikgeschäft bekam Besuch von Anwälten. Für die Community war es trotzdem ein Spiel mit dem Feuer: zwischen technischer Neugier, der Lust am Ausprobieren und dem Risiko, gegen Urheberrechte zu verstoßen.
Heute werden viele dieser Mods liebevoll dokumentiert und gesammelt. Sie sind nicht nur ein Stück Nostalgie, sondern erzählen auch von einer Subkultur, in der Kreativität, Technikleidenschaft und ein Hauch Rebellion Hand in Hand gingen. |