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Herzlich willkommen zu unserem November-Newsletter!
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Liebe Retro-Aktivisten, Hardwareliebhaber und Connaisseure alter Halbleiter,
wir lieben unsere alten Kisten. Vornehmlich wegen ihrer teils für die Zeit atemberaubenden Grafiken, irren Rechenleistungen und der Möglichkeit, das erste Mal in unserem Leben das WWW zu besuchen. Schon früh hielt neben der Grafik aber auch der Ton - oder auch Sound genannt - Einzug in Spieleproduktionen.
Aber schon früh, sogar noch vor den bunten Pixelbildern, wurde das neue Wunderwerk der Technik - der Computer - zum „Musikmachen“ benutzt. Und hier soll diesen Monat unser Schwerpunkt liegen.
Musikspiele, legendäre Produktionscomputer (und deren Software), sowie der Einfluss auf die damals noch junge Bewegung der elektronischen Musik.
Da für den Verfasser des November Newsletters gerade diese Musik bis heute nicht aus seinem Leben wegzudenken ist, gibts auch noch einen kleinen Ausflug in die härtere Gangart des Techno.
Wir wünschen euch viel Spaß. |
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Music 2000 / MTV Music Generator (1999, PlayStation)
Eines der ersten vollwertigen Musikproduktions-Tools auf einer Konsole. Für viele junge Produzenten war dieses Programm der Einstieg in Beatbau und Sample-Arrange – und erstaunlicherweise entstanden damit sogar echte Club-Tracks. Ein wichtiger Beweis, dass kreative Musikproduktion nicht immer teure Studios brauchte.


Ein Beispiel dafür war der Track Bass Keeps Pumpin von DJ Jack & Master T. aus dem Jahr 2001. Der Titel wurde nicht nur über das Spiel komponiert, sondern später auch auf Vinyl veröffentlicht. Weitere Künstler wie Skepta, Jme, Dizzee Rascal, Hudson Mohawke, Bob Vylan, Kode9 und Terror Danjah produzierten vor ihrer Karriere Songs mit Music 2000.
Das Besondere: Trotz limitierter Möglichkeiten, Speicherplatz und Gamepad-Steuerung bot Music 2000 ein erstaunlich tiefes Toolset – inklusive Effekten, Mischpultansicht und eigener Samplelibrary. Gerade in der Pre-DAW-Ära war das ein Türöffner für eine ganze Generation von Bedroom-Producern. |
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Protracker (1990, Amiga)
Im Jahr 1990 erschien mit Protracker auf dem Amiga eines der einflussreichsten Musikprogramme der Heimcomputer-Ära. Was auf den ersten Blick wie eine Zahlen- und Buchstabensuppe wirkte, entpuppte sich als kreatives Werkzeug mit riesigem Potenzial: Musiker konnten mit vier Kanälen, Samples und Pattern-Ansicht ganze Songs bauen – effizient, loopbasiert und in erstaunlicher Qualität.

Protracker wurde zum Standard in der Demoszene und war Herzstück zahlloser Chiptunes, Game-Soundtracks und kreativer Spielereien. Ob eingängige Melodien oder brachiale Techno-Grooves – der Tracker machte es möglich, ohne professionelles Studio und mit reinem Tasten-Workflow.
Selbst heute, 35 Jahre später, werden mit dem Protracker Songs gebaut, geremixt oder auf Retro-Veranstaltungen gespielt. Protracker lebt also nicht nur als Software, sondern als kulturelles Erbe der digitalen Musikgeschichte. |
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… viele Produzenten des frühen Gabber ihre Tracks ausschließlich auf Tracker-Software gebaut haben?
Der Amiga mit ProTracker, NoiseTracker oder OctaMED war ein vollwertiger Produktionsplatz. Die kompromisslosen 8-Bit-Samples und das Pattern-basierte Sequencing führten zu dem rohen, aggressiven Klang, der Gabber definierte.
Und: Einige der frühen Rotterdam-Produzenten schnitten ihre Kicks direkt aus Amiga-Demoscene-Samples. Heute Kult.



Ein schönes Beispiel dafür (nicht aus Holland sondern aus Deutschland), bei dem sogar auf der Rückseite der CD ein Verweis auf den Amiga ist, ist das Album Synthetic Overdose von E-De-Cologne. Übrigens auf einem Label herausgebracht (Shock Wave), welches damals in Bad Kreuznach beheimatet war. |
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Jochen Hippel - Melodien mit Präzision – und ein Meister des Atari-ST-Sounds.
Wer in den späten 80ern und frühen 90ern auf dem Atari ST gespielt oder Demos geschaut hat, ist seinem Namen garantiert begegnet: Jochen Hippel, besser bekannt als Mad Max, war einer der einflussreichsten Musiker der 16-Bit-Ära – insbesondere bei Thalion Software.
Er komponierte unzählige Soundtracks (u. a. Wings of Death, Amberstar, Chambers of Shaolin) und schaffte es, dem eigentlich recht simplen Soundchip des ST ein beeindruckend melodisches Klangbild zu entlocken. Seine Stücke klangen oft weitaus voller und komplexer als das, was technisch möglich schien.

(Foto: MobyGames)
Besonders berühmt war Hippel auch für seine Amiga‑zu‑ST-Musikportierungen, bei denen er mit viel Handarbeit den „großen Bruder“ imitierte – und dabei oft eigenständige Versionen schuf, die heute selbst Kultstatus haben.
Nach der Thalion-Zeit arbeitete er noch einige Jahre im kommerziellen Bereich, zog sich dann aber aus der Spielebranche zurück. Heute lebt er in Deutschland – sein Name und sein Sound leben in der Demoszene und bei Retro-Fans bis heute weiter. |
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Roland TR-909 (1983) - die Kick, die Techno definierte
Nicht ganz Computer, aber eine der wichtigsten Maschinen der elektronischen Musik.
Die TR-909 war in den 90ern vergleichsweise günstig und damit die Standardmaschine der Techno-Produzenten in Deutschland, Belgien und den Niederlanden.

(Foto: Brandon Daniel, CC BY-SA 2.0)
Dabei war sie bei ihrer Veröffentlichung 1983 zunächst kein Erfolg: Der Mix aus analoger Klangerzeugung und digitaler Steuerung galt als merkwürdig, der Klang war für den damaligen Mainstream zu harsch und die Produktion wurde nach nur wenigen Jahren und rund 10.000 verkauften Einheiten eingestellt. Erst als die Geräte später gebraucht und günstig zu haben waren, entdeckten Produzenten im aufkommenden Techno- und House-Umfeld ihr Potenzial und machten sie zur Legende.
Warum so wichtig? - Legendäre, harte Bassdrum - Step-Sequencer – perfekt für Loops - MIDI-Integration → ideal für Atari ST / Amiga
Bis heute ist die 909 das klangliche Rückgrat unzähliger Tracks – ob original, gesampelt oder als Plugin nachgebaut. |
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GamTank - offene 8-Bit-Konsole für Entwickler und Retrofans
Mit dem GameTank erscheint eine ganz neue Retro‑Konsole, die nicht Emulation setzt, sondern eine moderne Versionen der klassischen 6502‑Architektur verwendet – konkret eine W65C02S‑CPU bei ca. 3,5 MHz. Kombiniert wird dieser mit einem dedizierten Audio‑Co‑Prozessor sowie einem framebuffer‑basierten Grafiksystem.

Was sie besonders macht:
- Vollständig Open Source – dazu gehören Schaltpläne, Platinen‑Layouts, 3D‑Druckdateien und sogar ein SDK. 
- Modulbasierte Cartridge‑Form („Chunky Cartridges“) und physische Anschlüsse im Stil klassischer Heimkonsolen – kein Emulationsgerät, sondern echte Hardware. 
- Ein visuelles Konzept, das Sprite‑ und Tile‑Techniken hinter sich lässt: Die GameTank setzt auf einen 128×128 Framebuffer, eine große Sprite‑RAM‑Bank und eine Hardware‑„Blitter“‑Funktion für flüssigere Animationen als in vielen klassischen 8‑Bit Systemen.
Unser Blick auf die GameTank: In einer Welt, in der Retro‑Hardware meist auf Emulation oder FPGA‑Systeme setzt, steht dieses Projekt für das Gegenteil: frisch, eigenständig, experimentierfreudig - und sogar mit einem sich entwickelnden, eigenständigen Spiele-Ökosystem. Für Retro‑Fans mit Lust auf Basteln und Entwickeln bietet sie ein spannendes Spielfeld. |
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Video-Empfehlung des Monats
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Trackers: The Sound of 16-Bit

Eine hervorragende Doku, die zeigt, wie der Sound der Tracker Software in den frühen 90ern Einfluss nahm. Das Video deckt die damalige Demoszene, den Sound der Spiele aber auch die Software und Produzenten die die Software hervorbrachten, ab. |
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Musikproduktion mit Retro-Hardware Techno & Gabber 1990–1997 |
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In den 1990er-Jahren bildete sich ein ganz eigener Hardware-Kanon für die aufstrebende elektronische Musikszene – vor allem für Techno, Gabber und Rave. Dabei kam oft Equipment zum Einsatz, das eigentlich aus der Heimcomputer- oder Demoszene stammte. Heute Kult, damals oft pragmatisch gewählt und nicht selten aus zweiter Hand.
Die heiligen Maschinen der Szene
Herzstück vieler Studios war der Atari ST – wegen seiner eingebauten MIDI-Schnittstelle ein absoluter Klassiker für Sequencing. Der Amiga 500 oder 1200 war hingegen das Sample-Studio der Wahl: Tracker, Cut, Loop, Pitch – alles möglich. Dazu kamen Drum-Maschines wie die Roland TR‑909 und TR‑808 – als klangliches Fundament. Für fettere Kicks und Time-Stretching sorgten Akai S950 oder S1000, zwei Sampler-Legenden. Und natürlich die TB‑303, ohne deren sägenden Bassläufe es viele frühe Acid- und Rave-Tracks schlicht nicht gegeben hätte.
Tracker – die Demoszene trifft den Dancefloor
Tracker wie NoiseTracker und ProTracker waren die ersten Digital Audio Workstations. Pattern, Samples, Effektnummern, begrenzte Polyphonie – und genau daraus entstand ein rauer, direkter Sound.
Warum Tracker so prägend waren:
Die limitierten 8‑Bit‑Sampler sorgten für aggressive Kicks. Pitch‑Effekte wurden kreativ zweckentfremdet, um schrille Leads zu basteln. Und die Pattern-Tabellen führten ganz natürlich zu repetitiven Loops, die für Techno und Gabber wie gemacht waren.
Die Amiga-Ästhetik
Viele der frühen 90er-Tracks, die heute Kultstatus haben, wurden tatsächlich auf dem Amiga produziert – man erkennt es nur selten. Ob frühe Produktionen auf PCP Records, Underground EPs aus Rotterdam oder Club-Hits aus Belgien und Deutschland, die kaum jemand der Maschine zuordnet.
Die rechtliche Grauzone
In der Underground-Szene wurde vieles „geliehen“ oder gesampelt – ohne Nachfragen. Samples aus Spielen, Filmen oder Demos waren Alltag. Der Aufwand, das legal zu klären, stand oft in keinem Verhältnis zum DIY-Geist der Szene.
Und Hand aufs Herz: Ohne diese Freiheit wären viele Tracks nie entstanden.
Einfluss auf heute
Noch immer nutzen viele Produzenten Tracker-Emulationen, Amiga Sample Packs, 909- und 303-Emulationen und vieles mehr. Auch hier wird immer mal wieder auf den „Retrozug“ aufgesprungen und Genres wie EBM oder Wavemusik (z.B. das sehr retroangehauchte Synthwave) erfreuen sich gerade wieder enormer Beliebtheit.
Wer einmal in die Musikwelten von Synthwave abtauchen will, dem seien Künstler wie Timecop1983 oder Vectorwolf ans Herz gelegt. Wer es etwas „waviger“ mag kann getrost zu Dina Summer, Sekelsys oder Quek Junior greifen.
Ihr seht, unsere Retrohardware hat noch viel mehr auf dem Kasten, als wir eh alle wissen. Und sie hat nicht nur in der Spielekultur, sondern auch in ganz anderen Bereichen ihre prägenden Spuren hinterlassen, die noch bis heute nachhallen. Ich hoffe, ihr hattet auch an diesem Newsletter Spaß, auch wenn dieses Mal die kleinen Pixel etwas kürzer kamen. Sie kommen zurück, versprochen. |
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125. RETRO-AKTIV Treffen |
Freitag, 28.11.2025
Zeit:
ab 18 Uhr - Ende offen |
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Das letzte RETRO-AKTIV Treffen für dieses Jahr steht vor der Tür!
Wir freuen uns darauf, mit euch wieder einen spannenden Abend voller Retro-Gaming zu verbringen. Ob Homecomputer oder Spielkonsole, jeder wird auf seine Kosten kommen!
Was erwartet euch?
Unser Treffen ist ein unkommerzielles und familiäres Event für Liebhaber alter Homecomputer und Spielkonsolen. Der Spaß am Umgang mit klassischer Hard- und Software steht im Vordergrund.
Bringt eure Retro-Schätze mit – es gibt genügend Tische, Stühle und Mehrfachsteckdosen!
Wann?
Freitag, 28.11.2025 ab 18:00 Uhr. Ende offen.
Wo?
Chaos inKL. e.V. Rudolf-Breitscheid-Straße 65 (Ecke Ziegelstraße) 67655 Kaiserslautern
Parken: Ab 19 Uhr könnt ihr kostenlos auf der Straße parken.
Hinweise:
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, aber es ist dennoch schön zu wissen, wer kommt und was mitgebracht wird. Wenn ihr möchtet, könnt ihr euch gerne über unser Kontaktformular oder im entsprechenden Event unserer Facebook-Gruppe anmelden.
Wir freuen uns auf euch! |
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Wir hoffen, euch hat unser Newsletter gefallen! Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und euer Interesse. Wir freuen uns schon darauf, euch bald wieder hier an dieser Stelle begrüßen zu dürfen.
Wenn ihr spannende Themen habt, die unsere Community im nächsten Newsletter interessieren könnten, lasst es uns wissen!
Bleibt RETRO-AKTIV! |
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